Das könnte ich mir ja nicht leisten

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Kennt ihr Leute, die gern mal abfällig die Augenbrauen hochziehen, um euch kurz darauf zu verstehen zu geben: „Also, das könnte ICH mir ja nicht leisten.“ Oder habt ihr selbst hin und wieder das Gefühl, nie genug Geld zu haben, um euch das zu kaufen, was ihr wirklich haben wollt?

Dann habe ich Neuigkeiten für euch:

Ihr könnt es euch leisten!

Woher ich die Gewissheit nehme, das zu behaupten? Nun, ich selbst bin das beste Beispiel. Und wenn ICH etwas schaffe, die, wir ihr ja alle wisst, quasi der Inbegriff von Disziplin und Konsequenz ist, dann kann es wirklich jeder.

Ich habe nie viel Geld gehabt. Als Studentin habe ich von einem mageren Studienkredit gelebt, anschließend von einem noch mageren Selbstständigen-Lohn. Mittlerweile arbeite ich in einem festen Job, der absolut unterbezahlt ist und stottere nebenbei auch noch meinen Studienkredit ab.

Und dennoch, ich habe nie das Gefühl gehabt, einen materiellen Herzenswunsch zurückstecken zu müssen.

Natürlich, ich würde gern sofort in die Karibik fliegen und zu einem chicen VW Golf würde ich auch nicht nein sagen. Es mir spontan leisten, das könnte ich nicht. Aber ist es wirklich etwas, das ich unbedingt will? So unbedingt, dass ich bereit bin, Überstunden zu machen, mir einen Nebenjob zu suchen oder richtig kreativ zu werden, nach Möglichkeiten zu suchen, die nicht auf der Hand liegen? Kurz: Bin ich bereit, eine Menge Energie zu investieren? Nein, eher nicht.

Genau das ist der Punkt, den wir alle verinnerlichen müssen. Geld an sich hat keinen Wert, es steht lediglich für einen Wert. Es ist ein haptisches Tauschmittel, das Werte gegenüberstellt – und dann, wenn die Waage ins Gleichgewicht gebracht wurde, zum Austausch freigibt.

Stellen wir es uns also bildlich vor: Auf der einen Seite der Waage liegt unsere Karibikreise. Und auf der anderen liegt…? Was sind wir bereit, zu investieren?

Raus aus der Operrolle

Ich weiß, es ist naheliegend, an dieser Stelle zu sagen: „Aber xyz verdient 3x so viel wie ich. Er müsste sicher keine Überstunden machen. Er könnte einfach so in die Karibik, wenn er es denn wollte.“

Aber das ist nichts weiter, als sich selbst als Opfer darzustellen und die Macht, sich das zu erarbeiten, was man wirklich will, zu untergraben. Ja, vielleicht schüttelt sich jemand anderes das aus dem Ärmel, wofür wir uns abrackern müssen. Aber dann lasst uns an dieser Stelle auch weiter schauen: Warum verdient der andere denn so viel mehr? Hat er vielleicht jahrelang die Schulbank gedrückt und sich engagiert in Auslandssemester und Berufspraktika gestürzt? Hat er einen Job mit viel Verantwortung, der ihm womöglich alles abverlangt?
Und überhaupt, wer hindert uns daran, noch einmal von vorn anzufangen? Uns weiterzubilden? Umzuziehen? Den Job zu wechseln?

Wir haben alle Karten in die Hand. Das, was wir an Wert geben, das erhalten wir auch zurück. Und für das, was uns wichtig ist, setzen wir auch Prioritäten. Wir stecken zurück. Wir fokussieren und investieren Zeit und Energie.

Ich weiß, es wäre schön, wann immer uns etwas gefällt, nur mit dem Finger drauf zu zeigen und es sofort zu bekommen. Aber das entspricht, wenn man nicht gerade Paris Hilton heißt, einfach nicht der Realität. Mehr noch, es widerspricht fast allen kosmischen Gesetzen. Wo man keinen Wert bieten kann, lassen sich Werte auch nicht tauschen.

Wir können nicht alles besitzen. Das hat auch einen ganz einfachen Grund: Uns kann nicht alles wichtig sein. Gerade in materieller Hinsicht ist der Mensch oftmals bescheidener, als man denkt. Wenn man etwas geschenkt bekommt, dann nimmt man es natürlich gern an. Aber wenn man vor die Wahl gestellt wird, lieber einen Gegenstand zu besitzen oder Zeit und Energien zur freien Verfügung für die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu haben, entscheiden sich die meisten wohl für letzteres.

Wann immer es da aber etwas gibt, für dass wir bereit sind, woanders zurückzustecken bzw. andere kostbare Ressourcen zu tauschen, kristalliert sich das heraus, was wir wirklich wollen.

Wenn du also das nächste Mal glaubst, dir keinen schönen Urlaub oder keinen Hochleistungsmixer oder keine größere Wohnung leisten zu können, korrigiere dich ganz schnell und sage „Es ist mir nicht wichtig genug, es mir aktuell zu leisten.“
Das macht einen riesigen Unterschied darin aus, wie wir über uns selbst denken – in welcher Rolle wir uns wahrnehmen. Wir haben die Kraft, Dinge zu bewegen und Entscheidungen für unser Leben zu treffen und werden nicht von irgendeinem unfairen System ferngesteuert.

Wir können uns leisten, was wir wirklich wollen. Und wir haben auch Zeit für das, was uns wirklich wichtig ist. Manchmal hat eine Sache aus unterschiedlichen Gründen nur eben einfach keine Priorität – und wird daher hinten angestellt.

Was heißt das für den Karibikurlaub? Nunja, er wäre schön. Aber ehrlich gesagt, sind mir freie Nachmittag mit Freunden am Strand derzeit viel lieber.

3 Comments on “Das könnte ich mir ja nicht leisten

  1. Sehr schön geschrieben!!! Und absolut wahr. Wenn ich was will, muss ich auch etwas dafür tun.

  2. … und wenn ich nicht bereit bin, das zu tun, was es bedarf, muss ich mir eingestehen, dass ich es nicht genug will, anstatt zu sagen „Ich kann nicht“ oder „Die Welt ist so unfair“ …

  3. Genau!! Ich kenne genug Leute, die immer anderen die Schuld dafür geben, dass sie sich etwas nicht leisten können.

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